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  • Tobias Angehrn

Die wahren Kosten von Eigenkapital für KMU

Aktualisiert: Feb 11

Vielen Unternehmern ist unklar, welche Kosten sie für ihr Eigenkapital veranschlagen sollen. Oft wird der Vergleich mit einem Sparkonto gemacht und damit wird eine Rendite von 3% bereits als attraktiv erachtet. Warum diese Sicht fundamental falsch ist, wie man die wahren Eigenkapital-Kosten für sein Unternehmen anhand der Praktiker-Methode auf einfache Weise berechnen kann und welchen fatalen Fehler viele Unternehmer in der Schweiz machen, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.


Zunächst gilt es folgendes zu verstehen:

Eigenkapital ist die mit Abstand teuerste Variante, Ihr Unternehmen zu finanzieren.

Dieses Konzept klingt zunächst kontra-intuitiv: ein Kredit muss regelmässig verzinst werden, was sich direkt auf die Kostenbasis durchschlägt, während Eigenkapital doch «einfach da liegt». Aus Unternehmenssicht mag das zutreffen, solange keine Dividende bezahlt wird. Aus Sicht der Eigentümer jedoch ist diese unter KMU weitverbreitete Meinung fundamental falsch: Sie setzen Ihr Kapital einem nicht unerheblichen Risiko aus und verzichten gleichzeitig auf anderweitige Investitionsmöglichkeiten, haben also sogenannte Opportunitätskosten. Dafür sollten Sie entschädigt werden.


Die Kosten für das Eigenkapital sind daher nie Null, sondern sollten für einen Vergleich mit anderen Finanzierungsinstrumenten wie folgt berechnet werden:

Der risikofreie Zinssatz entspricht der Verzinsung von Staatsobligationen. Derzeit entspricht dieser Wert Null; da dieser Umstand historisch einmalig ist, sollte je nach Expertenmeinung dennoch mit einem Wert von 1-3% gerechnet werden.


Die Marktrisikoprämie entspricht der langfristigen Rendite, die mit einer Anlage auf dem Aktienmarkt erzielt werden könnte. Als Referenzgrösse dient in der Schweiz der SMI oder SPI, in Deutschland der DAX, und zwar über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren. Je nach Betrachtungszeitraum und Index ist von 6-8% auszugehen. In Abzug gebracht wird hiervon der Risikofreie Zinssatz – darum der Ausdruck «Prämie».


Weiter muss bei ehrlicher Betrachtung ein Risikozuschlag für kleine Unternehmen gemacht werden: Kleinfirmen sind statistisch gesehen häufiger von einem Konkurs betroffen als grössere Mitbewerber. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen vom Professionalisierungsgrad des Managements / Corporate Governance über die unterschiedlichen Möglichkeiten auf dem Kapitalmarkt bis hin zu den Marktmacht-Verhältnissen. Dieses Risiko wird mit 1-3% abgegolten.


Ein weiterer Zuschlag von 1-3% wird je nach dem für die Illiquidität gemacht: damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Sie im Gegensatz zu einer börsenkotierten Aktie Ihr Unternehmen nicht über Nacht verkaufen können.


Zu guter Letzt folgen die individuellen, unternehmensspezifischen Risikozuschläge. Diese sind je nach Geschäftsmodell sehr unterschiedlich und können von 0 bis 10% reichen.


Sie sehen, wenn Sie diese Faktoren berücksichtigen, kostet Sie Ihr Eigenkapital selbst im günstigsten Fall mindestens 8% im Jahr, 15-20% sind keineswegs eine Seltenheit. Mit diesen Kosten sollten Sie Ihr Eigenkapital veranschlagen, wenn Sie eine Abwägung mit anderen Finanzierungsinstrumenten machen.


Eine weitere Methode, die vor allem bei grösseren und börsenkotierten Unternehmen häufig Anwendung findet zur Kapitalkostenbestimmung, ist die sogenannte CAPM Methode.


Besondere Vorsicht ist geboten bei der Existenzgründung mittels vorbezogenen Pensionskassengeldern


Viele Unternehmer beziehen für die Existenzgründung ihr Gelder aus ihrer Pensionskasse. Dagegen ist bei sorgfältiger Abwägung der Geschäftsrisiken grundsätzlich nichts einzuwenden (zumindest der Gesetztgeber hat nichts einzuwenden, ich persönlich wäre da generell zurückhaltend), nur muss Ihnen bewusst sein, dass Sie in diesem Falle umso mehr darauf angewiesen sind, eine ansprechende Marktrendite mit Ihrem Kapital zu erwirtschaften, und zwar aus zwei Gründen:


1. Opportunitätskosten Wie der Name schon suggeriert geht es bei den Opportunitätskosten darum abzugelten, was Ihnen anderswo entgeht (im Falle eines PK-Vorbezugs also mindestens die Rendite, die Ihre Pensionskasse für Sie erwirtschaften würde). Überlegen Sie sich also, wie Sie das in Ihrem Unternehmen blockierte Geld alternativ anlegen könnten: Mit Immobilien beispielsweise erzielen Sie langfristig eine Rendite von rund 5-7%, mit kostengünstigen, passiv gemanagten Index-Fonds-Produkten (ETFs) auf Aktienkörbe wie beispielsweise den SMI oder DAX erzielen Sie im langjährigen Durschnitt ebenfalls rund 6-8% Rendite. Beide Möglichkeiten sind, bei entsprechend langfristigem Anlagehorizont, entschieden risikoärmer als das Geld im Unternehmen zu belassen.

2. Sie arbeiten mit Ihrem Pensionsvermögen, auf das Sie im Alter angewiesen sind. Um später nicht in die Altersarmuts-Falle zu geraten ist es umso wichtiger, dass Sie dementsprechend auch mindestens die gleiche Rendite erwirtschaften, wie dies Ihre Pensionskasse für Sie tun würde.


Und nun zum existenzgefährdenden Teil: Sehr oft verwechseln Unternehmer Gewinn mit Lohn.

Besonders oft ist dies bei Einzelunternehmen der Fall: dem Geschäftsführer als «Lohn» steht zu, was Ende des Jahres unter dem Strich liegen bleibt. Nicht selten werden 50, 60'000 CHF erwirtschaftet und die Geschäftsführer sind zufrieden damit, «es läuft ja». Doch können Sie das sein? Gegen zwei, drei magere Jahre in der Gründungszeit ist sicher nichts einzuwenden, und grundsätzlich haben Sie ja auch Recht, Sie können stolz sein wenn Sie als Unternehmer gewinnbringend wirtschaften. Aber darauf sollten Sie sich nicht ausruhen und auch hier wieder müssen Sie sich die Frage der Opportunitätskosten stellen: was könnte ich auf dem freien Markt verdienen? Und vor allem: wie viel Kapital habe ich eingesetzt, um auf den erzielten Gewinn zu kommen?



Als Unternehmer sollten Sie daher bei der Planung des Budgets die folgenden Schritte tun:


1. Setzen Sie Ihren Marktlohn fest. Diesen sollten Sie sich mittelfristig vom erwirtschafteten Gewinn auszahlen können, und zwar inklusive Zuweisung in die berufliche Vorsorge.

2. Rechnen Sie die Eigenkapitalkosten aus, wie oben beschrieben (also x % vom eingesetzten Eigenkapital, wobei Sie mit mindestens 8% rechnen sollten).

3. Der Gewinn, der mittelfristig erzielt werden sollte, setzt sich nun zusammen aus Ihrem Marktlohn, zuzüglich den Eigenkapitalkosten. Wenn Sie dieses Ziel längerfristig nicht erreichen, sollten Sie unbedingt an Ihrem Geschäftsmodell arbeiten. Die Eigenkapitalrendite erhöhen Sie auch, indem Sie Ihren Finanzierungsmix anpassen. Finwize unterstützt Sie gerne dabei.


Fassen wir die wichtigsten Punkte nochmals kurz zusammen:


1. Wie berechnet man als KMU die Eigenkapitalkosten?

Risikofreier Zinssatz (derzeit: Null)

+ Marktrisikoprämie (4-5%)

+ Zuschlag für kleine Unternehmen (1-3%)

+ Illiquiditätszuschlag (1-3%)

+ Unternehmens-spezifische Risikozuschläge (1-10%)


2. Bei der Existenzgründung mit Pensionskassengeldern ist die erzielte Mindestrendite doppelt wichtig


3. Verwechseln Sie Ihren Lohn nicht mit dem erzielten Gewinn, und geben Sie sich nicht vorschnell zufrieden wenn Sie schwarze Zahlen schreiben.



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