• Tobias Angehrn

7 smarte Alternativen für Unternehmer, die nicht zur Bank laufen möchten

Beim Thema Finanzierung setzt eine grosse Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz auf die Hausbank. Für den modernen Unternehmer gibt jedoch zahlreiche spannende Alternativen, mit denen sich oft sehr viel Geld sparen lässt.



Ganzheitliche Betrachtung

In der modernen Unternehmensführung wird das Thema Finanzierung ganzheitlich betrachtet, als ein Aspekt, der fliessend in sämtliche Prozesse hineinspielt. Bevor wir uns mit den einzelnen Finanzierungsmöglichkeiten befassen macht es daher Sinn, sich ganz kurz die Grundstruktur der Unternehmensbilanz in Erinnerung zu rufen. Durch die Finanzierungs-Brille ergeben sich dabei bereits jede Menge möglicher Finanzierungen:




Wichtig aus Finanzierungssicht: alles links vom Bilanzstrich muss ich letztlich irgendwie finanzieren. Darum lohnt es sich im ersten Schritt zu überlegen, ob sich die Bilanz allenfalls kürzen lässt durch smartes Bilanz-Management.


Nun schauen wir uns die einzelnen Finanzierungsmöglichkeiten etwas genauer an:


1. Kreditoren: Finanzierung über die Lieferanten

Eine naheliegende Finanzierungsquelle, als Finanzierungsinstrument jedoch in vielen KMU noch viel zu wenig aktiv gemanagt: Die Kreditoren, Ihre Lieferanten. Achten Sie insbesondere bei grösseren Bestellungen darauf, dass Ihnen Ihre Lieferanten möglichst lange Zahlungsziele einräumen – das ist Gratis-Geld für Sie!


Ein kleines Rechenbeispiel zur Verdeutlichung: Wenn Sie es schaffen, die Zahlungsziele Ihrer Lieferanten um 30 Tage auszudehnen, reduzieren Sie Ihren Kapitalbedarf pro CHF 600'000 für die Sie regelmässig übers Jahr verteilt einkaufen, um CHF 50'000. Das ist Geld, das Sie in Zukunft anderweitig investieren können.


Viele Lieferanten sind sich dieser Magie der Zahlungsfristen natürlich bewusst, und sie versuchen darum ihrerseits, Ihr Geld möglichst rasch zu bekommen. Diesem Spannungsfeld verschiedener Interessen muss man sich bewusst sein und das Kreditoren-Management sollte nie so verstanden werden dass Sie Ihre Rechnungen zu spät zahlen: nebst Schädigung der Beziehung zu Ihren Lieferanten kann sich dies rasch auch bonitätsmässig negativ auswirken.


Eine interessante Möglichkeit, um Ihre Zahlungsfristen selbst bestimmen zu können, kann in dem Zusammenhang auch eine Einkaufsfinanzierung sein.


2. Finanzierung über Ihre Kunden

Am anderen Ende der Supply Chain (und auf der anderen Seite der Bilanz), finden sich die Debitoren, also Ihre Kunden. Hier sollten Sie im Sinne einer Optimierung darauf achten, dass diese möglichst rasch zahlen. Dies setzt ein aktives Debitorenmanagement voraus und eine entsprechende Sensibilisierung auf die Thematik bereits im Verkaufsprozess. Ideal ist, obgleich je nach Geschäftsmodell allenfalls nicht ganz einfach umzusetzen, wenn Ihr Kunden bereits bei Bestellung eine Anzahlung leisten kann und somit einen Teil Ihrer eigenen Lieferkette mit finanziert.


Je nach Liquiditätssituation kann es auch prüfenswert sein, Kunden im Einzelfall Skonto anzubieten (also einen Sofort-Zahler-Rabatt). Vorsicht, im Normalfall ist dies eine eher teure Art der Kapitalbeschaffung und auf die flächendeckende Gewährung von Skonto an sämtliche Kunden sollte verzichtet werden. Eine Möglichkeit die immer beliebter wird, ist der Verkauf von Forderungen über ein Factoring. Dabei werden ausgewählte Forderungen (je nach Modell auch das ganze Portfolio) an einen Finanzierungspartner abgetreten und die Rechnungen werden durch diesen sofort an das finanzierende Unternehmen beglichen. Das Inkassorisiko geht dabei in aller Regel an die Factoring-Firma über, die Kosten bewegen sich zumeist bei rund 0.5 bis 2% des Rechnungsbetrages.


3. Privatplatzierung

In Zeiten von Null- oder gar Negativzinsen sind Anlagen in KMU für viele Investoren sehr attraktiv. Dabei gibt es einerseits spezialisierte Vermittler, die zwischen Kapitalgebern und Kreditnehmern vermitteln. Kapital können Sie sich natürlich auch in Ihrem privaten oder beruflichen Netzwerk beschaffen. Sollten Sie sich für letzteres entscheiden ist dabei wichtig, dass Sie die Konditionen und Sicherheiten klar regeln. In aller Regel empfiehlt es sich, rechtlichen Rat von aussen zu holen. Um diese Vermittlung zwischen Kapital und Kredit-Suchenden zu vereinfachen, ist in den letzten Jahren eine ganz neue Finanzierungs-Kategorie entstanden:


4. Crowd-Lending

In diesem Segment hat sich mittlerweile auch hierzulande eine Vielzahl von Anbietern für Unternehmer etabliert. Einige Plattformen wie Funding Circle sind gar börsenkotiert. Das Grundprinzip ist immer dasselbe: Kredite werden über eine Online-Plattform vergeben, als Kreditgeber treten verschiedene Investoren (die Crowd) auf.

Auf diese Punkte sollten Sie bei der Wahl des Anbieters unbedingt achten:

  • Wie seriös und solide ist der Anbieter aufgestellt? Was Sie als Kreditnehmer nicht gebrauchen können, ist ein unzuverlässiger Kapitalgeber. Machen Sie deshalb Ihre Hausaufgaben: wie lange gibt es den Anbieter schon? Werden Zahlen zum bereits finanzierten Volumen und zu den Verlusten veröffentlicht? Wie erfahren ist das Management? Welche Art von Regulierung / Aufsicht kontrolliert den Anbieter?

  • Welche Informationen werden den Plattform-Investoren in welcher Form zur Verfügung gestellt, und wie viele Investoren sind überhaupt auf der Plattform vertreten? Es gibt Anbieter, die arbeiten mit einer Handvoll von institutionellen Investoren, andere wiederum haben Tausende von Retail-Investoren. Dem müssen Sie sich bewusst sein – Ihre Daten werden bei solchen Modellen in irgendeiner Form zwangsläufig einem erweiterten Personenkreis zur Verfügung gestellt, zumeist nicht anonymisiert.


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5. Crowd-Funding

Beim Crowd-Funding werden geplante Projekte auf Online-Plattformen wie crowdify einem breiten Publikum vorgestellt und Geld dafür gesammelt. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, zumeist werden den Geldgebern eine Art von Incentives geboten. Auf folgende Punkte gilt es dabei zu achten:


  • Bauen Sie sich schon vorgängig eine Community auf und weisen Sie diese auf die anstehende Crowd-Funding-Kampagne hin. Nur mit dem Start einer Kampagne ist es nicht getan.

  • Überlegen Sie sich gut, was für Belohnungen Sie Ihren Unterstützern zukommen lassen wollen und können. Schauen Sie sich ähnliche, erfolgreich finanzierte Projekte an und reden Sie vorgängig mit potenziellen Geldgebern, finden Sie heraus, was diese wollen. Die meisten Plattformen bieten auch Unterstützung diesbezüglich.

  • Viele Crowdfunding-Kampagnen haben aufgrund ihrer Incentivierungs-Struktur Vorverkaufs-Charakter. Das heisst, die «Spender» erwarten bei erfolgreichem Zustandekommen ein Produkt. Rechnen Sie sich gut aus, was es für Ihre Liquidität bedeutet, wenn nach Lancierung des Produkts Ihre ersten Kunden alle mit Gutscheinen anstelle von Bargeld bezahlen.


6. Hybridkapital

Convertible Loans, auf deutsch Wandelanleihen, sind Fremdkapital-Darlehen die unter bestimmten, genau festgelegten Konditionen, in Eigenkapital umgewandelt werden. Berühmt wurde dieses Finanzierungsinstrument bei der letzten Bankenkrise. Für kleinere Unternehmen in aller Regel nicht relevant lohnt es sich dennoch, das Prinzip zu kennen: gerade für junge Startups, die sich in einer Seed-Runde noch nicht Gedanken über die Bewertung der Firma machen möchten, ist dies ein sehr spannendes Finanzierungsinstrument: dabei werden die Gelder als verzinslicher Kredit aufgenommen, und erst bei der ersten «richtigen» Finanzierungsrunde wird das Kapital in Eigenkapital umgewandelt, zu der zu dem Zeitpunkt geltenden Bewertung (in aller Regel mit einem Abschlag zugunsten der See-Investoren, um diese für das erhöhte eingegangene Risiko zu entschädigen).


7. Eigenkapital – die solide Basis

Eine gesunde Eigenkapital-Basis für jedes Unternehmen sehr wichtig. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Arten: einerseits das Stammkapital, das bei der Gründung eines Unternehmens oder bei einer Kapitalerhöhung von den Eigentümern eingebracht wird. Die zweite, über den Lebenszeitraum eines Unternehmens in aller Regel immer wichtiger werdenden Quelle, sind einbehaltene Gewinnreserven.


Zunehmend beliebt wird auch die Eigenkapitalbeschaffung über ICO’s, sogenannten Initial Coin Offerings über die Blockchain. Diese Entwicklungen stehen noch ganz am Anfang und wir werden in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch sehr viele Innovationen in dem Bereich sehen.


Bezüglich dem richtigen Mix zwischen Eigenkapital und Fremdkapital gibt es keine pauschale Aussage. Wichtig für Sie als Unternehmer zu wissen, auch wenn dies zunächst kontra-intuitiv kling, ist dass Eigenkapital eine sehr teure Variante ist, ein Unternehmen zu finanzieren.


Sie sehen, es gibt auch für kleinere und mittelgrosse Unternehmen mittlerweile eine Vielzahl von spannenden Finanzierungs-Alternativen, und derzeit erlebt der Finanzierungsmarkt eine wahre Disruptionswelle mit sehr vielen neuen Angeboten auf dem Markt. Darüber informiert zu bleiben lohnt sich für vorausschauende Unternehmer. Mit dem Credit Boot Camp unterstützt finwize Unternehmer auf dem Weg zur optimalen Finanzierung.

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