• Tobias Angehrn

Crowdlending für KMU: die schweizer Anbieter 2020 im Vergleich

Crowdlending wird unter KMU in der Schweiz immer beliebter. Das vermittelte Kredit-Volumen ist zuletzt um 20% gewachsen im Vergleich zum Vorjahr, 2019 dürfte die 200-Millionen-Grenze erreicht werden. Beinahe im Gleichschritt mit dem Markt wächst auch das Angebot – ganze zwölf Anbieter buhlen aktuell um die potenziellen Kreditnehmer. Zwar zeichnete sich im Frühling 2019 mit der Übernahme von Lendico durch Lend erste Anzeichen einer möglichen Konsolidierung ab, doch nur wenige Monate später ging mit Neocredit bereits wieder ein weiterer Anbieter an den Start.


Wie wählen Sie als Unternehmer nun die für Sie passende Crowdlending-Plattform aus? Finwize, der digitale Finanzassistent für schweizer KMU und Startups, hat das Angebot in der Schweiz aus Kreditnehmer-Sicht untersucht und dabei vier Kriterien als mögliche Entscheidungshilfen ausgemacht.


Die vollständige Übersicht aller Crowdlending-Anbieter in der Schweiz können Sie hier kostenlos herunterladen:

Kriterium 1: Ausgestaltung des Produktes

Überlegen Sie sich zunächst, was für eine Art von Finanzierung Sie überhaupt brauchen. Suchen Sie eine Finanzierungslösung um beispielsweise Waren oder Maschinen zu beschaffen? Dann kann ein langfristiger Kredit mit fixer Laufzeit und regelmässiger Rückzahlung interessant sein, einige Anbieter bieten bis zu sechs Jahre Laufzeit an. Oder handelt es sich mehr um eine kurzfristige Überbrückung eines Liquiditätsengpasses? Handelt es sich dabei um eine einmalige Sache, oder Tritt der Engpass aufgrund Ihres Geschäftsmodells, zum Beispiel infolge Saisonalitäten, mehrfach auf? Dann könnte eine Art Kreditlinie, welche wiederkehrend flexibel genutzt werden kann, sinnvoll sein- die Laufzeiten beginnen hier bereits bei 30 Tagen. Während einige Anbieter ein breites Spektrum möglicher Finanzierungen abdecken, haben andere sich auf sehr spezifische Anwendungsfälle spezialisiert. Auch bezüglich Mindest-Finanzierungsbetrag unterscheiden sich die Angebote stark – einige finanzieren ab CHF 1'000, bei anderen geht’s erst ab CHF 100'000 los.


Ebenfalls ein wichtiger Punkt: Was für Anforderungen stellen die Plattformen an Ihr Unternehmen? Müssen / können Sie Sicherheiten einbringen? Viele Anbieter führen eine sehr stark qualitativ orientierte Kreditprüfung durch, die sich nicht so stark von herkömmlichen Finanzierern wie Banken unterscheidet (eine grosse Rolle spielen dabei der erwirtschaftete Cashflow und die Kapitalstruktur, wie wir auch hier schon aufgezeigt haben. Andere Plattformanbieter wiederum haben Verfahren entwickelt die zusätzliche Dimensionen wie Online-Verhalten mit in die Beurteilung einfliessen lassen und damit teilweise auch da noch Finanzierungen anbieten können, wo es herkömmlichen Modelle nicht mehr zulassen würden. Auch bezüglich Mindestalter gibt es Unterschiede, einige Anbieter akzeptieren bereits Startups mit einem knappen Jahr Geschäftstätigkeit, andere wiederum erwarten bis zu vier Jahresabschlüsse.


Die Ablehnungsquoten der meisten Anbieter liegen bei über 80%. Sich im Voraus genau über die Möglichkeiten und Anforderungen zu informieren lohnt sich daher und hilft, Frustration und unnötigen Arbeitsaufwand zu vermeiden.


Kriterium 2: Kosten

Im herkömmlichen Kreditgeschäft wird ein Grossteil der Einnahmen über Zinserträge erwirtschaftet. Beim Crowdlending fliessen diese Zinsen an die Plattform-Investoren. Die Anbieter decken ihre Kosten daher hauptsächlich über Gebühren, und zwar typischerweise auf der Kreditnehmer- wie auch auf der Kreditgeber-Seite.


Für Sie als Kreditnehmer ist immer das Total der Gebühren massgebend, und nicht etwa nur die Kreditnehmer-Gebühr.


Warum? Weil sich die Investoren an den Netto-Zinserträgen orientieren (das heisst, der Ausschüttung nach Abzug aller Kreditgeber-Gebühren). Ein Beispiel: wenn ein rationaler Investor Ihre Kreditrisiko-Klasse mit 4% p.a. bepreist, und der Plattformbetreiber erhebt 1% Gebühren pro Jahr auf der Kreditgeber-Seite, erwartet der Investor dass Sie 5% p.a. bezahlen, so dass er nach Abzug aller Gebühren seine 4% bekommt.


Das Total der jährlich erhobenen Gebühren schwankt je nach Anbieter, Produkt und Risikoklasse von 0.4 bis 3% pro Jahr Laufzeit. Einige Anbieter erheben zusätzlich bei der Auszahlung eine einmalige Gebühr von 0.8 bis 2%. Vorsicht, grosse Unterschiede gibt es auch bezüglich den Mahnkosten bei allfälligen Zahlungsrückständen: Die günstigsten Anbieter stellen 10.- Franken pro Mahnung in Rechnung, bei anderen hingegen kann eine Verspätung richtig teuer werden indem ein auf den Finanzierungsbetrag bezogener, prozentualer Kostenanteil berechnet wird. Beim teuersten Anbieter können somit im schlechtesten Fall noch einmal zusätzliche 3% des finanzierten Betrages hinzukommen! Sich im Voraus genau zu informieren lohnt sich also auch bezüglich den Kosten.


Eine eher vernachlässigbare Rolle bei der Wahl einer Plattform spielen unseres Erachtens die an die Investoren zu entrichtenden Zinsen: einerseits sind diese im Voraus für Sie als Kreditnehmer extrem schwer einzuschätzen, da sie stark von der Risikoeinschätzung Ihres Unternehmens (Rating) durch den Plattformbetreiber sowie vom aktuellen Risikoappetit der Investoren auf der jeweiligen Plattform abhängig sind. Andererseits gleichen sich die Zinsen unter den Plattformen aufgrund der Marktkräfte die spielen auch sehr stark an – die institutionellen Investoren (die bei vielen Plattformen eine immer wichtigere Rolle spielen) haben eine klare Vorstellung davon, welches Risiko wie bepreist werden sollte. Und viele Privatinvestoren sind auf mehreren Plattformen gleichzeitig unterwegs und gleichen somit mögliche Unterschiede ebenfalls aus, indem auch sie nur da Geld geben, wo der Preis den Erwartungen entspricht.


Kriterium 3: Annonymität und Transparenz

Crowdlending-Plattformen haben die schwierige Aufgabe, zwei völlig unterschiedliche Kundensegmente mit verschiedenen Anspruchshaltungen zu bedienen: Sie als kreditsuchendes Unternehmen auf der einen Seite möchten möglichst rasch, unkompliziert und kostengünstig eine Finanzierung. Die Investoren auf der anderen Seite sind in erster Linie daran interessiert, einen dem Risiko angemessenen Zins zu erwirtschaften, und vor allem das eingesetzte Kapital nicht zu verlieren.


Um das Risiko von Rückständen oder gar eines möglichen Ausfalls ihres Investments besser einschätzen zu können sind die Investoren darauf angewiesen, möglichst viele Informationen über Sie als Kreditnehmer zu erhalten. Als Unternehmer haben Sie hingegen wenig Interesse daran, dass Ihre Finanzdaten für einen breiten Personenkreis im Internet zugänglich sind. Die Crowdlending-Plattformen selbst wiederum sind oft erst wenige Jahre am Markt und müssen sich das Vertrauen der Investoren selbst erst durch Transparenz erarbeiten.


Wichtig für Sie zu wissen: sämtliche Crowdlending-Anbieter in der Schweiz sind verpflichtet, sich von einer sogenannten Selbstregulierungs-Organisation (SRO) beaufsichtigen zu lassen und unterstehen somit den gleichen Datenschutz-Standards wie auch Banken.


In welcher Form sie den Investoren Zugriff auf welche Daten gewähren, wird von Plattform zu Plattform unterschiedlich gehandhabt: Die meisten Plattformen haben eine Barriere, die vorsieht dass Projekte nur eingeloggten, vorgängig geprüften Investoren zugänglich sind. Einige Anbieter geben eine grobe Branchenzugehörigkeit und zusammengefasste Kennzahlen bekannt, lassen jedoch keine Rückschlüsse auf das kreditsuchende Unternehmen zu. Bei diesen Anbietern kann es Ihnen letztlich egal sein, wer die zusammengefassten Daten sieht. Andere wiederum geben die Namen der kreditsuchenden Unternehmen bekannt, teilweise inklusive aggregierter Kennzahlen und Aussagen zur Risiko-Einschätzung. Transparenz ist dabei absolut nichts Schlechtes, auch nicht für Sie als Kreditnehmer, denn:


Je mehr Transparenz den Investoren gegenüber herrscht, desto mehr Vertrauen haben diese in die Projekte und desto rascher und günstiger kommt auch die Finanzierung zustande.

Es muss Ihnen als Kreditnehmer einfach bewusst sein, dass Crowdfunding per se bedeutet, dass Ihnen mehrere Personen Geld zur Verfügung stellen und dementsprechend diese Kapitalgeber zumindest Ihren Namen irgendwann erfahren werden.


Kriterium 4: Zuverlässigkeit der Plattform

Ein letzter Punkt den Sie bei der Entscheidung nicht ausser Acht lassen sollten ist die Zuverlässigkeit der Plattform. Dieser Punkt ist als Aussenstehender schwierig einzuschätzen - ein mögliches Anzeichen können die Grösse und Bekanntheit des Anbieters sein. Zwar gibt es spannende Nischen-Anbieter und innovative Newcomer: was für Sie jedoch in erster Linie zählt ist dass Sie einen zuverlässigen Finanzierungspartner mit ausreichend grosser Investoren-Basis finden, so dass sich die Finanzierung rasch und unkompliziert nach Ihren Wünschen umsetzen lässt. Hören Sie dabei ruhig auch auf Ihr Bauchgefühl: wie fühlt sich die Webseite des Unternehmens an? Finden Sie sich leicht zurecht, oder müssen Sie lange suchen bis Sie die Informationen finden die Sie benötigen? Wer steht hinter der Plattform?Eine Frage, die wir uns und unseren Kunden in dem Zusammenhang immer stellen:


Würden Sie Ihr eigenes Geld über die ausgewählte Plattform anlegen?

Wenn Sie diese Frage guten Gewissens mit einem Ja beantworten können, steht dem Kreditantrag nichts mehr im Wege. Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg.


Die vollständige Übersicht aller Crowdlending-Anbieter in der Schweiz können Sie hier kostenlos herunterladen. Finwize unterstützt Schweizer Unternehmen auf dem Weg zur Wunschfinanzierung: Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung!


Crowdlending: Begriffserklärung

Beim Crowdlending, auch Peer-to-Peer (P2P) Finanzierung genannt, tritt im Gegensatz zu einer konventionellen Finanzierung keine Bank als Kreditgeberin auf, sondern die Kreditsumme wird von mehreren Darlehensgebern gegen einen im Voraus vereinbarten Zins direkt bereitgestellt. Handelte es sich bei den Kreditgebern in den Pionierzeiten dieser neuartigen Finanzierungsform vor allem um Privatpersonen, treten heute vermehrt auch institutionelle Anleger auf als Geldgeber. Den Crowdlending-Anbietern kommt dabei die Rolle als Vermittler zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber zu, sie finanzieren sich über Gebühren auf der Anleger- wie auch auf Kreditnehmerseite. Für Unternehmer stellt diese Art der Geldbeschaffung eine spannende Alternative zum herkömmlichen Bankkredit dar: die Abwicklung ist bei den meisten Anbietern komplett digital und damit deutlich schneller als bei Banken, und das minimale Finanzierungs-Volumen ist in aller Regel deutlich tiefer als bei Banken.


Crowdlending: Wichtige Finanzierungsform für Mikrounternehmen, spannende Zusatzfinanzierung für etablierte KMU

134 Millionen Franken haben Schweizer Unternehmer laut einer Studie der Hochschule Luzern im Jahr 2018 über P2P Plattformen finanziert. Damit entsprechen die Schwarm-finanzierten Kredite zwar laut besagter Studie nicht einmal ganz 1 Promille der total vergebenen Firmenkredite. Gerade für kleinere Unternehmen sind diese neuen Angebote dennoch eine wichtige Stütze und als tragendes Standbein in der Finanzierungsstruktur vieler Kleinunternehmen nicht mehr wegzudenken: so geben in einer Seco Studie 27% der KMU mit Finanzierungsbedarf an, dass sie sich von traditionellen Banken nicht ausreichend versorgt fühlen.


Als ergänzende Finanzierungsquelle kann Crowdlending jedoch auch für gut etablierte KMU interessant sein: diese haben zwar zumeist keine Probleme, eine Finanzierung über die Hausbank zu arrangieren. Allerdings kann es sinnvoll sein, aus strategischer Überlegung auf mehr als einen Finanzierungspartner zu setzen. So vermeidet man Klumpenrisiken und zu starke Abhängigkeiten – wenn die Hausbank nicht flexibel genug ist, eine zusätzliche Finanzierung rasch zu stemmen zum Beispiel. Eine spannende Variante kann es auch sein, für das Unternehmen eine zusätzliche Finanzierungslinie zu beantragen, die für Notfälle oder Engpässe kurzfristig bereitsteht: diese können Crowdlending-Anbieter im Gegensatz zu Banken, die eine Bilanz zu bewirtschaften haben, oft kostenlos und sehr kurzfristig zur Verfügung stellen.

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